Enero en Uruguay
Freitag, 02.01.2009
Verrückt. Weihnachten und Silvester waren einfach nur verrückt. Am 24. ist erstmal gar nicht so viel passiert. Wir haben auf den Vater der Familie, Roberto, gewartet. Die Mutter, Shandra, war schon die Woche davor gekommen. Jeder ging so ziemlich seinen Sachen nach und wich war ein bisschen traurig darüber, weil Weihnachten für mich ein Familienfest ist. Auch wenn wir zu hause nicht den ganzen Tag zusammen sind, ist doch irgendwie dieses Weihnachtsgefühl da. Hier kam das aber nicht so auf. Gegen 4 Uhr nachmittags hat Rodrigo mich dann eingeladen, mit ein Paar Freunden raus zu gehen. Da ich nichts besseres zu tun hatte, bin ich mitgegangen. Wir sind dann im Endeffekt in die Altstadt gegangen. Und was da los war, hätte ich nicht im Traum erwartet. Ich hatte meine Kamera nicht dabei. Schade, war vielleicht aber auch besser. Allerdings war Silvester ähnlich und davon habe ich Fotos. Dann kann man sich das ungefähr vorstellen. Es gab Bier und Cider weniger zum trinken, sondern viel mehr dafür um andere nass zu machen. Keine Minute auf der Partymeile und ich hatte schon den ersten Bierbecher in den Haaren. Frohe Weihnachten. Wir wurden dann mit dem Strom in die eine Richtung geschoben und in der anderen Richtung kam mir auf einmal Lou und eine ihrer Gastschwestern entgegen. Beso, frohe Weihnachten, was machst du hier und schon hatte man sich aus den Augen verloren.
Nach Bier stinkend fuhren wir dann ungefähr zwei Stunden später nach Hause. Und das war nur die After-Show-Party gewesen. Dann erstmal duschen und fertig machen. Essen gab es um 11 Uhr und die Feuerwerke gingen dann um 12 los. Eine Festtagsspezialität ist hier wohl Zunge. Vom Rind oder auch vom Schaf. Ich habe sie zwar probiert, aber es ist einfach nicht meine Fall. Ich habe also Salat und Rippchen gegessen. Sehr lecker! Nach den Feuerwerken gab es dann die Bescherung. Ich habe eine Matera, eine Tasche für die Thermokanne und den Mate, bekommen.
Am nächsten Tag waren wir zum Mittagessen bei der lang zeit Freundin von Shandra eingeladen, Marina. Und deren Familie. Wir waren 32 Personen, von denen aber die meisten auch englisch sprachen, da die Familienmutter, Dolly, vor mehreren Jahrzehnten aus Amerika eingewandert war. Es gab ein typisch amerikanisches Turkeydinner. Unglaublich lecker. So etwas habe ich richtig vermisst seit ich in den Statten war. Obwohl das kleine Wildschweinchen, das es bei uns in Deutschland gibt auch nicht zu verachten ist. Auf der Party gab es nochmal Geschenke. Für mich eine Halskette und ein Glas roter Grütze von Kühne.
Abends waren wir dann bei einer Nachbarfamilie zum Abendessen eingeladen. Chips, Oliven und kaltes Fleisch als Vorspeise und gegrillte Würstchen als Hauptgericht. Um 1 Uhr morgens habe ich die Party für mich dann beendet, weil ich einfach nur noch müde war und auch später dann arbeiten musste. Rodrigo hat sich dann auch verabschiedet und ist mit nach oben gegangen, weil auch er die ganze Zeit fast am einschlafen war.
Im Centro Juvenil war dann die Abschlussparty des Jahres. Lou und ich waren die ganzen Arbeitstage vorher damit beschäftigt, Sterne zu basteln, die in ein Hölzchen gestellt dann das Abschlussgeschenk für jedes Kind sein würden. 55 Sterne aus je zwei Hälften bedeutet 110 Sterne schneiden, falten und kleben. Aber mit einer persönlichen Widmung für jeden, kamen sie einfach gut an. Ich habe einen Stern für die „Alemana, mas expresiva“, die ausdrucksstärkste Deutsche bekommen, da ich es geschafft habe, mich ohne Sprache verständlich zu machen.
Am 31. ist die ganze Familie dann nochmal zum Mercado del Puerto gegangen, wo die richtige Party dann stattfand. Ihr könnt euch die Fotos ja mal anschauen. Ich hätte es nicht geglaubt, wenn man es mir einfach mal erzählen würde. Aber der Sinn dieser Partys ist es, nass zu werden. Es geht weniger ums tanzen, als darum, andere mit Cider zu begießen. und glaubt mir, ich war NASS!! Aber die anderen sind auch nicht ungeschoren davon gekommen. Eine blöde Idee fand ich aber, dass gekühlte Getränke verkauft wurden. Im Schatten und dann nass wird das richtig kalt. Zum Glück ist nach einiger Zeit dann endlich die Sonne heraus gekommen. Dann wurde es besser. Zu hause ich also wieder zuerst unter die Dusche und danach ein bisschen hingelegt. Um 22 Uhr gab es Essen und um 12 wieder die Feuerwerke. Während des Essen haben wir uns über die dümmste Idee aller Zeiten unterhalten. In Uruguay fahren vom 31.12 ab 20:30 bis zum 02.01 um 06:00 keine Busse!!! Und Taxen für 1,3 Millionen Einwohner plus Touristen ist ja wohl nur eine Traumvorstellung. Das ist so, als wenn man New York City die Taxen weg nehmen würde. Einfach nur eine blöde Idee. Ich wollte um 1 Uhr morgens zu der Party bei einem Freund und seiner Familie und Rodrigo wollte auch noch zu einer Party. Dann haben sich die Eltern erbarmt und gesagt, sie würden uns bringen. Die Alternative wäre laufen gewesen. Und 5km laufen ist nicht!! amüsant. Auf der Party haben wir dann beschlossen, gemeinsam den ersten Sonnenaufgang des neuen Jahres zu erleben. Sonnenaufgang ist hier anscheinend um 6:30.
Sonntag, 11.01.2009
So, jetzt bin ich zurück von meiner kurzen Reise durch Brasilien. Lasst es euch gesagt sein, es war fantastisch. Rio de Janeiro ist eine unglaublich schöne Stadt, von der ich leider viel zu wenig gesehen habe. Ich war abends gegen 11 Uhr im Hostel und habe mich dann schon relativ schnell bettfertig gemacht. Ich war morgens sehr nervös gewesen und deshalb schon seit viertel vor 5 auf den Beinen. Geschlafen habe ich allerdings erst so gegen 2 Uhr. Ich habe mich noch eine Weile mit dem Mädchen von der Rezeption unterhalten und dann hatte ich noch von einem meiner Zimmernachbarn, Nicolás aus Argentinien, die Einladung erhalten, am nächsten Tag mit auf eine Stadttour zu kommen. Diese würde den Zuckerhut, das Fußballstadium und die Christusstatue plus Mittagessen beinhalten. Am nächsten Morgen also um 9 Uhr aufgestanden und habe mich beim Frühstück erstmal richtig am Heißwasserspender verbrannt. Warum funktioniert das Ding auch anders als normale Thermokannen?
Die Tour hat ca. 9 Stunden gedauert und auf der Fahrt waren Nicolás und 3 Freunde, ein Norweger, ein Ire, eine Amerikanerin, 2 Portugiesen und ein Engländer. Und ich. Leider war es an dem Tag sehr nebelig, obwohl es nette 30°C waren. Daher war der Ausblick nicht sooo super. Aber es reichte. Am nächsten Tag habe ich dann das gemacht, was man als guter deutscher Tourist aif jeden Fall machen sollte. Ich bin an den Strand der Copacabana gegangen. In meinem schönen, neuen, portugiesischen Bikini. Ich hatte ja in Reisetips gelesen, dass man seinen eigenes Badezeug nicht mitnehmen soll, das es für brasilianische Verhältnisse viel zu viel Stoff ist. Nach dem Tag am Strand kann ich diesen Tip verstehen. Am Strand hatte ich das Glück einen anderen Deutschen zu treffen, der sich bereit erklärte, auf mein Zeug aufzupassen. Im Wasser war es unglaublich. Ich war ja schon öfter im Meer und Wellen sind nicht immer einfach, aber in der Brandung dort hatte ich schon ein paar mal Muffensausen, als das Wasser über mich hinweg donnerte. Einzig gute Reaktion, die ich hatte war folgende. Ich hatte den Schlüssel zu meinem Schließfach im Hostel an einer Kette um den Hals. Ich habe sie gerade noch rechtzeitig gegriffen, bevor die Brandung die Öse zerissen hat. Sonst wäre mein ganzes Zeug auf dem Grund der Copacabana gelandet.
Nebenbei habe ich noch den schlimmsten Sonnenbrand bekommen, an den ich mich erinnern kann. Meine Sonnencreme wurde nämlich beim Security Check-In beschlagnahmt weil ich nicht über die Flaschengröße nachgedacht hatte.
Ich muss jetzt den Computer frei machen. Mehr Geschichten und Fotos gibt’s die Tage.