So, in genau 2 Wochen ist es so weit. Ich kann es noch gar nicht so genau glauben. Wo ist bloß die Zeit geblieben?! Vor nicht all zu langer Zeit war mein Auslandsjahr noch ein Wunschtraum oder vielleicht auch schon eine vage Idee. Jetzt steht es unmittelbar bevor. Kein zurück, nur noch nach vorn.
Vor ungefähr einem Jahr hat es angefangen: die Überlegung, was tun nach dem Abi? Das war sogar relativ einfach. Meine Leidenschaft für Sprachen hat mich direkt für das Studium der Übersetzungswissenschaften begeistern können. So viel zum leichten teil, doch dann kam das Problem: Ich spreche kein Spanisch. Wie also ein Studium anfangen, wenn man die Sprachen nicht beherrscht? Dann kam die Überlegung, ob man nicht die Gelegenheit nutzen sollte und noch ein Jahr Ausland einschieben sollte.
Aupair? Travel & Work? Nein, ziemlich schnell war klar, ein FSJ ist für mich die Beste Möglichkeit. Bei weitem die interessanteste Lösung. Dann ging die Überlegung los, wie so ein FSJ gestalten. Wie organisiere ich so etwas und geht das, trotz fehlender Sprachkenntnisse? Dazu kam noch die finanzielle Seite. Für mich war es ein logisches Problem, dass ich für kostenlose Arbeit auch noch bezahlen sollte. Ja, Visum, Logie, Flug, alles kostet etwas, aber ich leiste freiwillige, also unbezahlte Arbeit. Ich wollte schon mit der Suche aufhören, als meine Mutter auf mich zu kam und mir von dem Projekt erzählte, das unsere Regierung gerade gestartet hatte. „Weltwärts“ ein FSJ, welches vom BMZ gefördert wird. Aber davon später mehr, fest stand erstmal, der Traum vom Ausland ist noch nicht vorbei. Also, erstmal fleißig die lange, lange Liste von Trägerorganisationen durcharbeiten. Bald stand fest, ICJA ist diejenige welche! Also stand jetzt fleißig Bewerbung schreiben auf dem Programm. Doch für welches Land sollte ich mich entscheiden? Spanisch-sprachig auf jeden Fall, aber ansonsten war es mir aber auch schon egal. Dann hat man ja auf jeden Fall die Qual der Wahl, aber drei Länder mussten nun mal angegeben werden. Ich habe mich dann für Honduras, Bolivien und Ecuador beworben. Ja, ihr bemerkt schon, es ist keines der drei Länder geworden. Als ich den Brief meiner Platzierung bekommen habe und da stand: Herzlichen Glückwunsch Kirstin, du kommst nach Uruguay, war meine erste Reaktion:“Cool! Wo ist das?“ Ich habe mich erstmal tierisch gefreut und im Internet nachgeschlagen, was man so finden kann. Es stellte sich aber heraus, dass Uruguay wohl kein bevorzugtes Reiseland ist. Natürlich konnte ich die wichtigsten Dinge herausfinden aber nähere Informationen? Kein Stück. Dann dachte ich mir, clever wie ich manchmal bin
, suchst du mal nach einem Reiseführer, so mit Bildern und allem. Da wirst du schon irgendwas finden. Aber Fehlanzeige. Es gab mal zwei Reiseführer, doch die sind schon seit einiger Zeit nicht mehr lieferbar. Super, also eher magere Ausbeute an Informationen über das Land in dem ich das nächste Jahr verbringen soll.
Aber Informationen sind ja nicht alles. Es gab ja auch noch andere Dinge, die erledigt werden möchten. Wie z.B. die allseits beliebten Impfungen. Ich habe an dieser Stelle das Glück, dass ich für mein Auslandsjahr in Amerika schon so viele Impfungen bekommen habe, das mir Spritzen und Nadeln mittlerweile völlig egal sind. Andere können sich vermutlich nicht so glücklich schätzen. An dieser Stelle möchte ich allen Impfungs-Opfern mein Mitgefühl aussprechen. Auch die Vorbereitungen für das Visum haben es irgendwie in sich. Ich persönlich beneide alle Fahrer, die ihr Visum im Voraus bekommen. Ich musste erstmal ein polizeiliches Führungszeugnis beantragen. So viel Geld dafür, dass da nichts drinsteht. Und dann noch eine internationale Geburtsurkunde, ich hoffe nur, ich bekomme die Aufenthaltserlaubnis…
Zurück zum eigentlichen Thema. Warum ich mich für ein FSJ entschieden habe. Klar ist es leicht zu sagen, ich mache mal eben ein FSJ in einem fremden Land. Man weiß auch, dass der Lebensstandard dort unterschiedlich sein wird, aber es wirkt alles wie ein Traum. Es war einfach sich dafür zu entscheiden, als alles noch in weiter Ferne lag. „Ich fliege in 10 Monaten“ hört sich sehr weit weg an. „In 8 Monaten fange ich mein FSJ an“ ist auch noch sehr weit weg. Als es dann anfing „In drei Wochen geht mein Flug“ brach langsam die Panik aus. Ich meine man stellt sich so ein Jahr im Ausland irgendwie immer als Urlaub vor: Strände, Party neue Leute, Freizeit! Neue Leute schon, aber ganz anders. Ich denke, dass das FSJ mir die Illusionen rauben wird, die sich viele Vorstellen. Klar weiss man, dass in den meisten südamerikanischen Ländern Armut herrscht, aber ich wurde noch nie richtig damit konfrontiert. Natürlich hätte es auch ganz anders werden können. In Afrika herrscht nochmal eine ganz andere Form der Armut. Aber Uruguay wird für mich auch eine einmalige Erfahrung werden. Deswegen war es mir auch egal, wohin es geht. Überall hat man gute und schlechte Erfahrungen, man muss überall das Beste aus ihnen machen. Aber Wünsche können viel einfacher enttäuscht werden und das Land ist ja nun wirklich nicht das wichtigste.
Also Uruguay! Ich meine, wie viele Leute können behaupten, sie waren schon mal in Uruguay. Das ist genau so wie Panama, oder? Wer möchte nicht sagen können: „Ich war schon mal in Panama.“? Ich freue mich schon riesig darauf endlich anzukommen. Mein Projekt hört sich richtig gut an (dazu kommt noch ein extra Abschnitt), ich weiß schon, dass auch noch andere Jugendliche in dem Projekt arbeiten werde. Gut, fand ich am Anfang nicht so toll weil ich dann bestimmt nicht so schnell Spanisch lernen werde, wie ich sollte, aber das ist letztendlich nur eine Sache der Willensstärke. Jetzt sehe ich es eher als positiv an, da ich mich ja wirklich gar nicht verständigen kann. Ich hoffe, dass sie am Anfang schon ein bisschen für mich dolmetschen werden. Auch irgendwie eine Ironie, oder? Sie müssen mir dabei helfen, was mein Beruf werden soll
Davor graust es mich ja wirklich. Sprachprobleme. Ich spreche kaum ein Wort Spanisch, mir wurde aber gesagt, dass meine Gastfamilie Englisch spricht. Für den Anfang gar nicht so schlecht. Der Abschied wird mir auch sehr schwer fallen. Gut, ich habe so etwas schon hinter mir, aber da war das Land irgendwie bekannter. Auch meine Wohnung auszuräumen war schwer. Sie ist zwar alt und klein, mir aber in den letzten 2 Jahren sehr ans Herz gewachsen. So viel zu den Vorbereitungen…
Schön geschrieben! So ähnlich geht’s uns allen
GlG dein Akil
P.S.: Du schaffst das!
P.P.S.: Ist die Überschrift wie bei mir in Ahnlehnung an 24 geschrieben worden oder nur Zufall…^^
Von: Akil am August 4, 2008
um 7:17